Gefährliche Werbung im Briefkasten

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Vorsicht bei unterbezahlten Putzhilfen: Vielleicht hat sie etwas anderes im Sinn, als die Spiegel zu putzen? (Foto: fotolia/Konstantin Yuganov)
Vorsicht bei unterbezahlten Putzhilfen: Vielleicht hat sie etwas anderes im Sinn, als die Spiegel zu putzen? (Foto: fotolia/Konstantin Yuganov)

Heute hatte ich so eine nette Postkarte im Briefkasten, mit der mir angeboten wurde, ein Homemaid zu bestellen. Ein Homemaid macht für 8,50 die Stunde alles, was man selbst nicht gerne macht. Also sauber machen, bügeln, waschen und so weiter. Die Abbildung zeigt eine adrette Hausfrau aus den 60er Jahren mit rot eingefärbter Schürze, die gerade eine Spülmaschine einräumt. Vor wenigen Wochen hätte ich sofort zum Telefonhörer gegriffen und die Haushaltshilfe geordert – stattdessen habe ich nun mühevoll im Schweiße meines Angesichts und unter Zuhilfenahme zahlreicher chemischer Helfer mein Bad geputzt, den Teppich gereinigt und sogar die blinden Spiegel wieder sichtbar gemacht. Ich habe sogar noch etwas in der Küche aufgeräumt, das Geschirr der letzten 14 Tage musste ohnehin entsorgt werden.

Der Grund dafür ist ja ganz einfach: Was kann man von einer Haushaltshilfe für brutto 8,50 die Stunde erwarten? Nun, so einen schönes Prozess, wie er gerade in Amerika läuft. Weiß ich denn, ob die verzweifelte Person, die sich da für deutlich weniger als achtfuffzig die Stunde abrackern muss (die Agentur muss ja auch was verdienen), nicht auf auf solche Gedanken kommt? Ob die sich nicht kurz nach Erscheinen die Schürze zerreist und laut schreiend aus der Wohnung läuft? Auf ihrem Weg zur Tür kann sie noch schnell  einen Abstecher ins Bad machen, wo sie ganz sicher schwer belastendes DNA-Material, wie zum Beispiel ein Haar von mir aufsammelt und sich in den Ausschnitt stopft?

Vorsicht bei unterbezahlten Putzhilfen: Vielleicht hat sie etwas anderes im Sinn, als die Spiegel zu putzen? (Foto: fotolia/Konstantin Yuganov)
Vorsicht bei unterbezahlten Putzhilfen: Vielleicht hat sie etwas anderes im Sinn, als die Spiegel zu putzen? (Foto: fotolia/Konstantin Yuganov)

Das hätte dann gleich dreierlei positive Auswirkungen für sie: Erstens müsste sie nicht putzen, bügeln oder sonst was machen und zweitens könnte sie sofort Berufsunfähigkeitsrente beantragen, weil sie die ungeheure psychische Belastung nicht mehr ertragen kann, bei fremden Leuten zu arbeiten. Die dritte Auswirkung ist aber dann doch die Attraktivste: Gerichtsprozess, berühmt für 15 Minuten und ein sattes Schmerzensgeld, denn sie hatte ja ein Haar von mir im Ausschnitt, was ja schließlich eindeutig beweist, dass ich meinen Kopf genau da hatte…

Weiß ich denn, ob die Agentur nicht gerade erst aufgrund der Vorkommnisse in New York gegründet wurde? So als neue Geschäftsidee der Mafia? Einfach nur mit dem Ziel, so eine Aktion auszulösen? Da hilft dann auch der Hinweis auf der Karte nicht, dass die Firma voll versichert ist. Wogegen denn? Und auch der Hinweis, dass das Reinigungspersonal interviewed, überprüft und trainiert wurde kann meinen Argwohn nicht auflösen. Insbesondere das Wort „vetted“ gefällt mir in dem Zusammenhang nicht. Sprachexperten auf leo.org diskutieren darüber, ob das nicht ein Begriff aus dem tierärztlichen Wortschatz sei.

Hmm, also Vorsicht vor solchen Karten, der Anruf kann katastrophale Folgen haben. Und denken Sie jetzt nicht, ich hätte eine kranke Phantasie – wie man sehen kann, passiert so etwas.

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